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VORSICHT BEI SUPER-APPS

Super-Apps gelten als Zukunftstrend auf Smartphones. Anstatt vieler Einzel-Apps installiert ein Nutzer nur eine Super-App, welche denselben Funktionsumfang bietet. Aus Datenschutzsicht ist diese Entwicklung mit Risiken verbunden.

Insgesamt haben die Deutschen im Jahr 2021 rund 3,3 Mrd. Apps auf ihre mobilen Endgeräte geladen. Die dominierende Download-Plattform ist das vom Google-Betriebssystem Android bereitgestellte Portal „Google Play“. 2,5 Mrd. Apps wurden dort heruntergeladen, während auf den von Apple betriebenen „iStore“ für iOS-Geräte 786 Mio. Downloads entfielen.

Um der aktuellen Flut von Apps Herr zu werden, finden sich auf dem Markt bereits einige sog. „Super-Apps“. Das sind mobile Applikationen, die zumeist Messaging, Online-Shopping, Hotelbuchung, Flugreservierung und Bezahlung in einer Anwendung vereinen. Solche Super-Apps nicht neu. Denn soziale Netzwerke und Suchmaschinen verfügen bereits über Apps, bei denen viele dieser Funktionen integriert sind. Doch während mancher bei den sozialen Netzwerken schon eine gewisse Skepsis entwickelt hat und nicht auch noch über Facebook  bezahlen will, haben andere Super-Apps weiterhin Zulauf.

Aus Datenschutz-Sicht gilt es, das Gefährdungspotenzial dieser Multi-Funktions-Apps zu erkennen.

Datenschutzerklärung

Angesichts der Verständnisprobleme, die unbedarfte Nutzer mit den Datenschutzerklärungen mobiler Apps haben, liegt es auf der Hand, dass es bei Super-Apps nochmals komplexer wird. Wenn es die verpflichtende Datenschutzerklärung leicht auffindbar bzw. überhaupt gibt, ist es sicher nicht leichter, die Vielzahl von Funktionen und Datenverarbeitungen in einer Erklärung nachvollziehbar darzustellen. Es ist davon auszugehen, dass die Nutzer schnell den Überblick verlieren und einfach alles akzeptieren.

Nutzerprofile

Die Mehrzahl der Handy-Nutzer versteht nicht, mit welchen Geschäftsmodellen die App-Anbieter und Tech-Konzerne ihre Umsätze und Gewinne machen. Insbes. bei Gratis-Apps sollte jedem Nutzer bewusst sein, dass er hier mit seinen persönlichen Daten und Verhaltensmustern „bezahlt“. Das gilt allerdings nicht nur bei kostenlosen Apps, sondern auch bei kostenpflichtigen. Die Betreiber der Apps sammeln, aggregieren und verkaufen die personenbezogenen Daten der Anwender. Geballte Funktionen sind eine perfekte Basis um detaillierte Nutzerprofile zu erstellen, die bei Super-Apps im Regelfall viel aussagekräftiger sind als bei Einzel-Apps.

Sicherheitslücken

Sicherheitslücken bei Super-Apps können sich so auswirken wie Schwachstellen bei vier oder fünf Apps gleichzeitig. Hat ein Angreifer über eine unsicheres Teilanwendung Zugang zu den Daten des erhalten, kann er auch gleich auf die Daten der anderen integrierten Teilanwendungen zugreifen.

Jede App auf dem Smartphone erfordert eine individuelle, kritische Prüfung aus Datenschutzprüfung,

  • ob sie unnötige Berechtigungen anfragt,
  • was die Datenschutzerklärung besagt
  • wie es um die Verwendung von Cookies steht

Super-Apps reduzieren die App-Anzahl, nicht die App-Risiken.

Auf den ersten Blick mag es verlockend sein, Super-Apps zu verwenden, die mehrere Funktionen in sich vereinen und damit mehrere unterschiedliche Apps ersetzen. Auf den zweiten Blick bergen sie jedoch ein erhöhtes Risiko für den Datenschutz und die Datensicherheit.

16.02.2022

Photo by Compare Fibre on Unsplash